Antidiskriminierungsarbeit

Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Das Grundgesetz sagt das in Artikel 3 sehr deutlich: 

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ 

Diesen Gleichheitsgrundsatz der Verfassung müssen vor allem staatliche Stellen und öffentliche Einrichtungen befolgen.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) hat das Ziel, Benachteiligungen zu verhindern oder zu beseitigen. Es verbietet Diskriminierungen unter anderem am Arbeitsplatz, auf dem Arbeitsmarkt, bei Sozialleistungen, im Bildungsbereich und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen (dazu gehört auch Wohnraum). Der Schutz vor Diskriminierung im Beruf ist ein Schwerpunkt des AGG. Arbeitgeber haben die Pflicht, ihre Mitarbeiter vor Benachteiligungen zu schützen. Ein Arbeitnehmer, der trotzdem benachteiligt wird, kann von seinem Beschwerderecht und seinem Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen. Zudem hat er bei Verstößen des Arbeitgebers gegen das AGG unter Umständen einen Anspruch auf Entschädigung oder Schadensersatz.

Diskriminierung im Alltag

Trotz der gesetzlichen Verbote findet Diskriminierung in vielen alltäglichen Situationen statt. Bei der Wohnungssuche, am Arbeitsplatz, bei der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle, in Behörden oder beim Einkauf erleben Menschen Benachteiligungen. Sie werden abgewiesen oder respektlos behandelt, weil sie eine Frau sind, eine andere Hautfarbe haben, schlecht Deutsch sprechen, ein Kopftuch tragen oder weil sie in einem bestimmten Stadtteil wohnen. Viele Migrantinnen und Migranten können von solchen Erfahrungen berichten. Diskriminierung zeigt sich nicht immer offen und direkt, doch in all ihren Formen ist sie mit einer Abwertung der betroffenen Menschen verbunden und ruft Gefühle der Verletzung hervor.

Was können Betroffene tun?

Niemand muss sich mit Diskriminierung abfinden. In Nordrhein-Westfalen gibt es neun Antidiskriminierungsbüros, davon eines in Köln. Dorthin können sich Menschen wenden, die Diskriminierung erfahren haben. Antidiskriminierungsbüros beraten und unterstützen Betroffene, damit diese sich erfolgreich zur Wehr setzen können. In Bonn bietet das Kommunale Integrationszentrum eine Antidiskriminierungsberatung an (siehe unten).

Auch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) in Berlin berät Menschen, die Diskriminierung ausgesetzt sind. Auf ihrer Internetseite beantwortet die ADS häufig gestellte Fragen zu Ungleichbehandlungen in der Gesellschaft und stellt ausführlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor.

Die Internetseite www.diskriminierung-melden.de dient dazu, Fälle von rassistischer Diskriminierung zu erfassen. Wer Benachteiligungen aufgrund seiner Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit erlebt hat, kann anonym davon berichten und trägt dazu bei, dass solche Vorfälle öffentlich wahrgenommen werden.

Diskriminierendes Verhalten kann leichter nachgewiesen werden, wenn es Beweise oder Zeugen dafür gibt. Deshalb sollte man Personen, die den Vorfall erlebt haben, ansprechen und um Unterstützung bitten. Wichtig ist es, die Details des Vorfalls schriftlich festzuhalten – vor allem Zeitpunkt, Ort, beteiligte Personen und diskriminierende Handlungen oder Äußerungen.

Initiativen in Bonn

Der Rat der Stadt Bonn hat sich in der Bonner Erklärung gegen Rassismus verpflichtet, „entschieden gegen Gewalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus“ vorzugehen. Damit wollen die Ratsmitglieder ein deutliches Zeichen für „ein Klima der Akzeptanz und des gegenseitigen Vertrauens“ setzen, wie es in der Erklärung heißt. Der vollständige Text der Erklärung liegt in Deutsch, in den UN-Sprachen Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch sowie in Türkisch und Arabisch vor.

Die Initiative zu dieser „Bonner Erklärung“ ging von Schülerinnen und Schülern aus. In Bonn gibt es zehn Schulen, die den Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" tragen. Dies sind: Elisabeth-Selbert-Gesamtschule, Integrierte Gesamtschule Bonn-Beuel, Margot-Barnard-Realschule, Helmholtz-Gymnasium, Tannenbusch-Gymnasium, Bonns Fünfte - Inklusive Gesamtschule der Bundesstadt Bonn, Robert-Wetzlar-Berufskolleg, Weiterbildungskolleg der Bundesstadt Bonn, GGS Münsterschule - Montessori-Grundschule Bonn sowie Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Diese Schulen haben sich im Rahmen eines Projektes von AktionCourage e.V. verpflichtet, gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv vorzugehen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Im ganzen Land und auch in Bonn haben zahlreiche Unternehmen die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Damit bekennen sie sich zu dem Ziel, „ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.“ Zu den Unterzeichnern gehört auch die Stadt Bonn, die selbst einer der größten örtlichen Arbeitgeber ist. Über Bonn hinaus setzt sich die Stadt seit Oktober 2015 in der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus e.V. (ECCAR) für diese Ziele ein.

Die Mitarbeit in der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus ist Aufgabe der Antidiskriminierungsarbeit im Kommunalen Integrationszentrum, das zur Stabsstelle Integration der Stadt Bonn gehört. Zur aktiven Mitwirkung der Mitgliedsstädte gehört die Entwicklung und Umsetzung eines umfangreichen Zehn-Punkte-Aktionsplans gegen Rassismus, die Teilnahme am jährlichen Arbeitstreffen der deutschen Mitgliedsstädte sowie an den Generalversammlungen der Städtekoalition. Der Zehn-Punkte-Aktionsplan gegen Rassismus wird mit breiter Beteiligung von Politik, Behörden, Institutionen und Organisationen erarbeitet werden und sieht konkrete Maßnahmen zu folgenden Zehn Punkten vor:

  1. Verstärkte Wachsamkeit gegenüber Rassismus
  2. Bewertung der örtlichen Situation und der kommunalen Maßnahmen
  3. Bessere Unterstützung für die Opfer von Rassismus und Diskriminierung
  4. Bessere Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten für die Bürger/innen
  5. Die Stadt als aktive Förderin gleicher Chancen
  6. Die Stadt als Arbeitgeberin und Dienstleisterin, die gleiche Chancen nachhaltig fördert
  7. Chancengleichheit auf dem Wohnungsmarkt
  8. Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung durch Bildung und Erziehung
  9. Förderung der kulturellen Vielfalt
  10. Rassistische Gewalttaten und Konfliktmanagement

Antidiskriminierungsberatung im Kommunalen Integrationszentrum Bonn

Auch in Bonn erleben Menschen aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ihrer Religion immer wieder Diskriminierung. Beispielsweise auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt, aber auch an vielen anderen Stellen. Das Kommunale Integrationszentrum bietet Information und Beratung an, um Betroffene zu unterstützen.

In der Antidiskriminierungsberatung können Ratsuchende ihre Situation schildern und gemeinsam Handlungsmöglichkeiten für den konkreten Fall erarbeiten. Grundlage für die Beratung ist dasAllgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Jedes Anliegen wird vertraulich behandelt und orientiert sich an den Belangen der Ratsuchenden.

Die Beratung ist kostenlos und kann in den Sprachen Deutsch, Spanisch und Englisch stattfinden. Die Termine für persönliche Beratungsgespräche finden nach Vereinbarung statt.

Kontakt:

Bundesstadt Bonn
Stabsstelle Integration / Kommunales Integrationszentrum
Antidiskriminierungsarbeit
Telefon: 0228 / 77 61 66
E-Mail: antidiskriminierung(at)bonn.de
Internet: Kommunales Integrationszentrum  

Bonner Aktionsfonds gegen Rassismus und Rechtsextremismus

Das Kommunale Integrationszentrum hat einen Aktionsfonds eingerichtet, um das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu fördern. Im Jahr 2017 stehen insgesamt 10.000 Euro für präventive Aktivitäten und Maßnahmen zur Verfügung, die in Bonn stattfinden.

Förderanträge müssen bis spätestens 7. April 2017 beim KI Bonn eingereicht werden. Pro Antragsteller (z.B. Verein, Initiative) können maximal 1.000 Euro bewilligt werden. Die Mittel für den Aktionsfonds stammen aus dem Programm "NRWeltoffen: Lokale Handlungskonzepte gegen Rechtsextremismus und Rassismus" des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen. Aus diesem Programm können Maßnahmen und Aktivitäten in folgenden Themenbereichen gefördert werden:

  • Prävention von Rassismus und/oder Rechtsextremismus,
  • Ethnische und/oder religiöse Anti-Diskriminierungsarbeit,
  • Empowerment von Betroffenen, die selbst Rassismus, ethnische und/oder religiöse Diskriminierung erfahren haben.

Genaue Informationen zum Bonner Aktionsfonds enthält ein Informationsblatt des Kommunalen Integrationszentrums, für die Antragstellung steht ein Formular zur Verfügung (siehe unten).

Ansprechpartnerinnen im Kommunalen Integrationszentrum Bonn sind:

Mariela Georg
Tel. 0228 - 776166
E-Mail: mariela.georg(at)bonn.de

Annegret Kleefuß
Tel. 0228 - 77 61 62
E-Mail: annegret.kleefuß(at)bonn.de 

Weitere Informationen und Downloads:
Informationsblatt "Bonner Aktionsfonds gegen Rassismus"
Antrags-Formular "Bonner Aktionsfonds gegen Rassismus" 
Landesprogramm "NRWeltoffen"

 Diese Seite drucken

Suche

[Previous Month] Januar 2019 [Next Month]
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 31 1 2 3 4 5 6
2 7 8 9 10 11 12 13
3 14 15 16 17 18 19 20
4 21 22 23 24 25 26 27
5 28 29 30 31 1 2 3
Weiterempfehlen: E-MailFacebookTwitter